Die Ausstellung greift die umfangreiche Präsentation von 2006 in den Räumen des Passauer Galeristen Horst Stauber auf. Anhand von teils bibliophilen Büchern, Lithografien der Edition Aimé Maeght Paris, Photoarbeiten über eine Bergellreise 2004 und Bildern von Franz Stanislaus Mrkvicka werden verschiedene Themenkreise zu Alberto Giacometti abgetastet. Der Wald, die Lichtung: Geborgenheit - Einsamkeit und Angst, wie Raum entsteht. Masken: frühe Kopien A. Giacomettis, Maskenzeichnungen von F.S. Mrkvicka.
Malerei F.S.Mrkvicka: Streifzüge in Bezug auf A.Giacometti, Bilder und Zeichnungen.

Bergell
das gebirge aus gneis und manigfaltigem schiefergestein changiert im licht des tagesablaufs, soweit die wolken sichtfreiheit geben.

ein die berge herputzender, strahlender tag zeigt sie uns warmfarbig beige durchsetzt von vielfältigen grautönen. eine weiße bergspitze, da und dort, überragt das panorama.

ziehen wetter von osten nach westen durch das tal verwandelt sich die kulisse. aufbrausender wind, sturzregen und schnee in höheren lagen zeigt die macht der natur. wie schwarze hahnenkämme wach- sen felsen aus dem dunklen nadelwald empor, der von senkrecht dem tal zustrebenden erosionsrinnen und steinhalden zerschnitten wird. nach verklingen des schauspiels zeigen sich die blockigen dreitausender im aus den wäldern aufsteigenden dunstflausch.
ist die sonne zurückgekehrt bezaubern uns die südhänge mit ihren misch- und maronenwäldern.

ich glaube damit viel von Alberto Giacomettis kunst beschrieben zu haben. das im großen und ganzen wieder-kehrende, aber im detail immer veränderte, bewegte ihn und er nahm modell an seiner geliebten heimat (?).

Alberto Giacometti 1901 bis 1964

..... Stampa ist ein kleines dorf, wie schon berichtet. in den meist sehr alten wohnhäusern, die sich aneinander schmiegen herrscht enge und bescheidenheit. schwere steine schützen die dächer vor sturm, massiv sind die hauswände gemauert, das pflaster in den schmalen gassen ist in feinem fischgrät verlegt. das alles zeugt von großer liebe zu dem wenigen, das sich die bewohner schaffen konnten.
ein auffäliges und doch zurückgenommenes modernes schulgebäude zeigt architektonisches einfühlungsvermögen. eine glasfassade, mit den kieseln der Maira hinterfüllt, spiegelt die seele des orts. sein ganzes leben lang ist Alberto Giacometti regelmäßig an diesen ort zurückgekehrt, zu seiner geliebten mutter Annetta und der familie. in den sommermonaten arbeitete er im atelier des vaters Giovanni. seine mutter überlebte er nur zwei jahre und wurde wie sie auf dem friedhof San Georgio, zwischen Stampa und Borgonovo gelegen, begraben.
der nüchterne bau der reformierten kirche steht im zentrum des kleinen friedhofs. sein onkel Augusto Giacometti schuf ein fries und ein farbenfrohes glasfenster nach draußen, er folgte so im innenraum den schönen seiten des tals.

die gräber des vorgelagerten friedhofs sind schmal gehalten, zwischen ihren steinrändern sind ornamente mit kieseln gelegt, kleine steinepitaphe oder bronzene tafeln erinnern an die verstorbenen, die Giacomettis, Stampas und Baldinis.
die unendliche stufung, die nuancen der grauen steine und die farben der mächtigen felskämme hat Alberto vielleicht in die groß-stadt Paris mitgenommen.

anhand der fotos seines ateliers glaube ich das so zu sehen. wie das erodierende der felsen keine form vorhersagt, kein ende im menschensinn findet, so ist es Alberto beim bauen seiner figuren ergangen.

textidee 2004 (reisebericht), neu verfasst 2019